Sara, 33 Jahre, Tübingen

Sara wird im Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Lesen Sie im Folgenden mehr zu Saras wissenschaftlichem Werdegang.

Wissenschaftlicher Werdegang 

Wie verlief dein wissenschaftlicher Werdegang?

Ich habe von Oktober 2002 bis Juni 2008 Diplom-Biologie an der Carl-von-Ossietzky Universität in Oldenburg studiert. Zu Beginn des Hauptstudiums war ich zum ersten Mal intensiv in ein Forschungsprojekt involviert. Damals untersuchte ich am Institut für Chemie und Biologie des Meeres in Oldenburg, wie Bakterien unter substratarmen, hungernden Bedingungen überleben können, und entdeckte meine Begeisterung für die Forschung im Bereich der Umweltmikrobiologie und Mikrobiellen, Molekularen Ökologie. Seitdem fokussierte sich mein Studium inklusive meiner Diplomarbeit auf diese Fachrichtungen.

Ich bekam während des Studiums die Möglichkeit, als studentische Hilfskraft an weiteren Forschungsprojekten mitzuwirken. Meine Diplomarbeit handelte von der Identifizierung von Mikroorganismen, die eine Schlüsselrolle beim Abbau von organischem Material in Wattenmeer-Sediment einnehmen. Nach der Diplomarbeit arbeitete ich an diesem Forschungsprojekt weiter und durfte an einer Forschungs-Schiffsexpedition teilnehmen, die von Südafrika bis Namibia verlief. 
Meine Doktorarbeit über kohlenwasserstoffabbauende Bakterien an natürlichen Gas- und Ölquellen begann im September 2008 am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologe in Bremen und wurde im Mai 2012 erfolgreich abgeschlossen. Während meiner Doktorarbeit durfte ich Forschungsprojekte selber gestalten und mit Wissenschaftlern aus Deutschland und den USA zusammenarbeiten. Zudem sammelte ich vielfältige Lehrerfahrungen, zum einen im Rahmen von Praktika und Vorlesungen am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologe in Bremen, zum anderen in einem zweimonatigen Intensivkurs in Woods Hole (Massachusetts, USA). Ich erweiterte damit nicht nur mein berufliches Netzwerk auf internationaler Ebene, sondern konnte wertvolle internationale Arbeitserfahrungen sammeln.

Während meiner Doktorarbeit ereignete sich die Deewater Horizon Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und meine Forschung stieß auf öffentliches Interesse, da man verstehen wollte, wie Bakterien Ölkomponenten abbauen. Auch mich interessierte diese Frage brennend. Da ich bislang mit natürlichen Öl- und Gasquellen gearbeitet hatte, wollte ich meine Kenntnisse auf die Erforschung von Ölkatastrophen anwenden. Glücklicherweise wurde mir noch vor Ende meiner Doktorarbeit eine passende Stelle in den USA angeboten. Direkt nach der Doktorarbeit arbeitete ich jedoch zunächst ein zweites Mal als Betreuerin in dem Intensivkurs in Woods Hole und trat anschließend im August 2012 meine Stelle als Postdoc an der University of Georgia in Athens (Georgia, USA) an. 

Während meines ersten Postdocs erforschte ich, wie sich Öl- und Gaskomponenten, aber auch die bei der Katastrophe eingesetzten Chemikalien auf die Mikroorganismen in der Wassersäule auswirkten. Im Rahmen dieser Forschung durfte ich an zwei weiteren Schiffsexpeditionen in den Golf von Mexiko teilnehmen. Im Sommer 2013 betreute ich zum dritten Mal den Intensivkurs in Woods Hole mit. Direkt nach meinem ersten Postdoc bekam ich im September 2013 die Möglichkeit, mein Forschungsinteresse zum mikrobiellen Abbau von Schadstoffen in Meerwasser auf Grundwasser zu erweitern. Hierfür ging ich für meinen zweiten Postdoc, der bis zum Februar 2015 verlief, an das Oak Ridge National Laboratory (Tennessee, USA) und die University of Tennessee in Knoxville. Während meines zweiten Postdocs lernte ich meinen jetzigen Chef auf einer Konferenz in Sacramento (Kalifornien, USA) kennen. Ich wurde zum Vorstellungsgespräch nach Deutschland eingeladen und freute mich als mir die Stelle am Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen angeboten wurde.

Im März 2015 bin ich aus den USA wieder nach Deutschland zurückgekehrt, um meine jetzige Stelle als Gruppenleiterin der Mikrobiellen, Molekularen Ökologie an der Universität Tübingen anzutreten.

Rückkehr nach Deutschland 

Warum hast du dich für eine Rückkehr nach Deutschland, insbesondere nach Baden-Württemberg entschieden?

Seit ich in die USA gezogen war, war es immer mein Ziel, wieder nach Deutschland zurückzukehren, ohne zu wissen ob sich die Möglichkeit dafür ergeben würde. Der Wunsch zur Rückkehr war vor allem privater Natur. Es ist mir nicht leicht gefallen, Familie und Freunde während meiner Zeit in den USA meist nur einmal im Jahr zu sehen. Letztendlich war es aber das Jobangebot, das mich zurückholte, und ich bin dafür sogar etwas früher als geplant zurückgekommen. Aus dem gleichen Grund habe ich mich für Baden-Württemberg entschieden, weil sich hier die für mich passende Karrieremöglichkeit ergab.

Verlauf der Rückkehr 

Wie ist deine Rückkehr verlaufen, welche Hürden gab es zu meistern?

Meine Rückkehr ist relativ reibungslos verlaufen. Die größte Hürde war Auto und Möbel zu verkaufen, die ich mir in den USA angeschafft hatte. Auch die Wohnungssuche in Deutschland klappte von den USA aus erstaunlich gut. Ich hatte zwar vermutet, dass ich eine Eingewöhnungsphase in Deutschland bräuchte, aber ich fühlte mich von Anfang an wohl in Tübingen.

Programme zur Unterstützung der Rückkehr 

Auf welche Programme hast du zur Unterstützung deiner Rückkehr zurückgegriffen?

Ich habe keine Unterstützung in Anspruch genommen, vor allem weil ich mir über keinerlei Unterstützungsprogramme bewusst war, die in meinem Fall gepasst hätten.

Vorteile des Eliteprogramms für Postdocs der BW-Stiftung 

Welche Vorteile bietet dir das Eliteprogramm für Postdocs der Baden-Württemberg Stiftung?

Kurz nachdem ich meine Stelle in Tübingen angetreten hatte, wurde ich von einem Kollegen über das Eliteprogramm für Postdoktoranden der Baden-Württemberg Stiftung informiert. Ich habe mich daraufhin sofort zur Bewerbung entschieden. Der Antrag für die Baden-Württemberg Stiftung war mein erster eigener Antrag und so habe ich mich sehr über die Aufnahme in das Programm gefreut.
Es ermöglicht mir vor allem frühe Selbstständigkeit und die Erforschung eines Themas, das mich brennend interessiert. Ich habe während meines Postdocs an der University of Georgia (USA) die Effekte, der bei der Deepwater Horizon Katastrophe eingesetzten Chemikalien auf Mikroorganismen untersucht. Chemische Dispersionsmittel werden weltweit und routinemäßig nach Ö̈lunfä̈llen in marinen Gewässern eingesetzt. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Einsatz dieser Chemikalien zu einem schnelleren mikrobiellen Ö̈labbau führt. Jedoch ist der Einfluss von Dispersionsmitteln auf Mikroorganismen zu wenig bekannt, um abschätzen zu können, ob der Einsatz vorteilhaft oder vielleicht sogar eher umweltgefä̈hrdend ist. Mit einer Doktorandin, die im Rahmen des Eliteprogramms finanziert wird, werde ich genau hier ansetzen und einige Fragestellungen in diesem Themengebiet beantworten.
Die zukünftig gewonnenen Forschungsergebnisse werden meine internationale Sichtbarkeit als Wissenschaftlerin fördern, und die ermöglichte Eigenständigkeit sowie die Vernetzung innerhalb der Baden-Württemberg Stiftung werden sich positiv auf meine weitere Karriere auswirken.

Wissenschaftliche Karriere in Deutschland 

Wie stellst du dir deine wissenschaftliche Karriere in Deutschland vor?

Ich möchte meine Karriere in Deutschland fortsetzen. Innerhalb meiner Zeit an der Universität Tübingen strebe ich eine Habilitation an. Mein langfristiges Ziel ist eine permanente Stelle (z.B. eine Professur) an einer Universität oder einer Forschungsinstitution.
Auch wenn Deutschland meine erste Wahl wäre, bin ich mir darüber bewusst, dass viele meiner Kollegen langfristig auswandern, da die Stellen an deutschen Universitäten und Forschungsinstitutionen limitiert sind. Alternativen für meine wissenschaftliche Karriere würde ich in Europa oder in den USA suchen.

Eliteprogramm für Postdocs der Baden-Württemberg Stiftung 

Mit dem Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung exzellente junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihrem Weg zur Professur, indem sie ihnen eigenverantwortlich beantragte und verwaltete Forschungsprojekte ermöglicht. Die Postdocs erhalten dadurch eine in der akademischen Welt vergleichsweise frühe Selbstständigkeit. Darüber hinaus fördert die Stiftung mit begleitenden Veranstaltungen auch die Qualifikationen im Bereich der Lehre und des Wissenschaftsmanagements bzw. der akademischen Selbstverwaltung. Um Projektmittel bewerben können sich Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, die ein Forschungsvorhaben an einer baden-württembergischen Hochschule durchführen möchten. Über eine Laufzeit von maximal drei Jahren werden bis zu 120.000 Euro zur Verfügung gestellt, wobei die Personalstelle des Postdocs selbst nicht beantragt werden kann. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

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